WalterSchmuck
Theaterpädagogik

Wie werde ich Influencer?

Ein Workshop zur Erweiterung der Selbstwahrnehmung im Mikrokosmos — in Rollenspielen und Diskussionen.

Zurück zu den Angeboten

In meiner Arbeit als Theaterpädagoge fällt mir immer wieder der Einfluss des Internets auf junge Menschen auf. Es geht dabei längst nicht nur um das Konsumverhalten, sondern um das Selbst- und Weltbild: Geschlechtsidentität, Sexualität, Körperbild, religiöse und politische Zugehörigkeit, Erfolg und Misserfolg beschäftigen Jugendliche mehr denn je und lassen sie angesichts der scheinbaren Bandbreite der Möglichkeiten oft rat- und orientierungslos zurück.

Die Informationsflut des Internets liefert, gelenkt durch präzise Algorithmen, jedem Nutzer genau den Beitrag, der seiner Vorliebe und seiner Anfälligkeit entspricht. Dass es sich dabei oft um unrealistische Lebensentwürfe handelt, ist kein Geheimnis — dennoch formt es die Erwartungen an das eigene Leben so, dass Unzufriedenheit, soziale Ängste und Einsamkeit entstehen und Spontanität, Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit abnehmen.

Ist es möglich, sich dieser Entwicklung zu entziehen? Vielleicht — vielleicht auch nicht. Für die Möglichkeit dazu muss aber in jedem Fall die Wahrnehmung des Sachverhalts vorausgesetzt werden. Genau das ist das Ziel dieses Workshops: junge Menschen für sich selbst und die sie umgebende Welt zu sensibilisieren. Durch Diskussionen, Rollenspiele, Improvisationen und Selbsterfahrung eröffnet sich ihnen die Möglichkeit zu Unmittelbarkeit und Emanzipation.

Umfang
Vier Module zu je vier Schulstunden
Zielgruppe
Schülerinnen und Schüler
Gruppengröße
Raum und Technik
Honorar
Auf Anfrage

Die vier Module

Erstes Modul — Ankommen und Zuhören

Wir lernen uns kennen. Im Vordergrund steht, die Themen der jungen Menschen zu erfassen, ihr Konsumverhalten einzuschätzen und zu verstehen, welche Fragen und Gedanken sich in ihren Köpfen manifestiert haben. Erste Sichtweisen auf die Internetwelt werden sanft hinterfragt und von den Jugendlichen selbst bewertet. Im Wechsel dazu brechen Theaterspiele das Eis — und gewöhnen die Teilnehmenden zugleich an die exponierte Stelle in der Mitte des Kreises.

Zweites Modul — Im Mittelpunkt stehen

Zunächst der freie Stand vor anderen und das Verbalisieren der eigenen Wahrnehmung, in der Dauer je nach individuellem Bedürfnis. Dann das erste Rollenspiel: drei Minuten lang durch TikTok streamen und dabei ein Reaction-Video erstellen. Während die Jugendlichen der Willkür des Algorithmus folgen, ist eine Kamera auf sie gerichtet, und sie fassen ihre Gedanken und Gefühle in Worte.

Im Anschluss sprechen wir über das Erlebte, gegebenenfalls unter Sichtung der Aufzeichnung, versuchen die Aussagen der Videos in Kontexte zu fassen und gehen möglichen Diskussionen nicht aus dem Weg. Zum Abschluss Improvisationsspiele zur eigenen Spontanität und Kreativität.

Drittes Modul — Glaubenssätze

Die jungen Menschen bewegen sich durch den Raum, während ich ihnen Sätze zurufe: Ich kann alles erreichen, wenn ich es nur will. Um geliebt zu werden, muss ich gut aussehen. An manchen Tagen wäre ich gerne jemand anderes. Lernen ist langweilig. Zu jeder Aussage positionieren sie sich zwischen den Wänden des Raumes — vorn heißt trifft voll und ganz zu, hinten trifft überhaupt nicht zu.

Danach hinterfragen wir die eingenommenen Standpunkte. Schließlich vertritt jede und jeder drei bis fünf Positionen vor der Klasse — und zwar entgegen der eigenen Gewohnheit. Wer der Aussage „Ich wünschte, ich wäre reich“ voll zugestimmt hat, vertritt nun im Dialog die Position „Ich bin froh, dass ich nicht reich bin“. Beim Finden der Begründungen helfe ich. Den Abschluss bilden Theaterspiele zur Akzeptanz der eigenen Fehlerhaftigkeit.

Viertes Modul — Eine Haltung einnehmen

Zum Schluss geht es darum, eine eigene Meinung vor anderen zu vertreten und umgekehrt die Meinung anderer auszuhalten und zu akzeptieren. Aus einer Auswahl von Themen — von Gendern über Parteien bis zu der Frage, ob man eine bestimmte Marke besitzen muss, um Anerkennung zu bekommen — finden sich Tandems mit gegensätzlicher Meinung, die ihre Ansichten erst zu zweit und dann im moderierten Gespräch vor der Klasse austauschen. Nicht das Diskutieren steht im Vordergrund, sondern das Einnehmen einer Haltung und das Zuhören.

Zuletzt fragen wir uns, wie unsere Meinungen und Sichtweisen eigentlich entstanden sind. Ein gemeinsames Abschlussgespräch beschließt den Workshop.

Das PDF enthält den vollständigen Ablauf aller vier Module samt der kompletten Liste der Glaubenssätze und Diskussionsthemen.